Eine Zugreise mit Kindern nach Rom

Ich bin von der Zugreise schwer beeindruckt worden und verfasse hier einen Erfahrungsbericht. Die Planung von Urlaubsreisen mit dem Nachtzug ist nicht nur für Bahn-Fans eine vernünftige Alternative zum Fliegen. Familien mit Kleinkindern haben ebenso viele Vorteile gegenüber Flugreisen.

Ausgangspunkt unserer Urlaubsreise ist der Bahnhof in Lippstadt (NRW) und der Urlaubsort ist Lido dei Pini in der Nähe von Anzio am Mittelmeer im Einzugsbereich der Metropole Rom. An einem Montagmorgen geht die Reise mit meiner Frau und meinen zwei Kindern und einer ganze Menge an Gepäck los. Um Stress zu vermeiden, nehmen wir eine Direktverbindung außerhalb der Wochenenenden in einem ICE, der bis München nur 4 1/2 Stunden benötigt. Das Ticket haben wir bereits drei Monate vor der Reise gebucht.

drei Trolleys auf einem Gepäckwagen, Rucksäcke für mich und die Kinder, Handtasche meiner Frau

Der ICE nach München bietet für uns genug freie Plätze. In München angekommen haben wir viel Zeit, um mit den Kindern sogar noch auf einen Spielplatz zu gehen. Frühzeitig begeben wir uns per S-Bahn zum Abfahrtsbahnhof München Ost. Beim Anblick des dunkelblauen Nachtzugs beginnt für uns das Abenteuer. Der Nachtzug der Österreichischen Bundesbahn (ÖBB) wartet bereits lange vor der Abfahrt auf dem Bahngleis. Unser Abteil konnte ich an den großen Aufschriften schnell finden. Nach der etwas holprigen, aber doch letzlich herzlichen Verständigung mit unseren italienischen Mitfahrern ging die Zugreise um 20:17 Uhr fahrplanmäßig los.

Anzeige des Zuges nach Rom am Bahnhof München Ost

Zu unserem Erstaunen bietet die 4er Kabine ausreichend Platz für unser Gepäck, vier Erwachsene und zwei Kleinkinder. Die Kinder schlafen zusammen mit den Eltern, wenn keine separaten Plätze gebucht sind. Die preisgünstige Option mit ausreichend Komfort ist im Nachtzug der Liegewagen. Mit einem kleinen Aufpreis von 10 € erhält man ein Abteil mit vier Liegen, ansonsten sind es sechs. Ich empfehle einen zusätzlichen Platz zu buchen, wenn man mehr Platz für sich oder die Kinder beim Schlafen benötigt. Auf jeder Liege liegt bereits ein weißes Laken, eine graue Decke und ein weißes Kissen, um uns den ersehnten Schlaf zu ermöglichen. Auf dem Tisch steht für jeden Fahrgast eine kleine Flasche Wasser. Licht und Temperatur können je nach Empfinden eingestellt und die Tür verschlossen werden. Sogar das Fenster kann man kippen. Es gibt zwei Steckdosen, ausreichend Ablagen und eine Leiter um rauf und runter zu kommen.

Den Kindern gefällt der Zug und die Kabine.

Die Kinder sind trotz des langen Tages wieder hellwach und wollen alles ausprobieren. Nach einem kleinen Abendsnack werden im Waschraum die Zähne geputzt. Das freundliche ältere italienische Ehepaar in unserer Kabine ist bereits in die Liegen oben verschwunden.
Ich empfehle mit Kindern mindestens einen Platz unten zu reservieren, weil man von dort besser an das Gepäck kommt. Nach unserer Erfahrung kann man sich mit den Mitfahrern gut absprechen, selbst wenn man nur obere Plätze reserviert hat.

Langsam kommen die Kinder zur Ruhe und schlafen ein. In der Nachtruhe von 21 Uhr bis 8 Uhr am nächsten morgen wird um Ruhe gebeten und es werden keine Durchsagen gemacht. Als die Kinder schlafen kann ich mich in einem sauberen Waschraum mit Duschkabine, Waschbecken und bereitgestelltem Duschgel waschen.

Nach einer angenehm ruhigen Nacht auf den relativ harten Liegen werden uns von der Zugbegleiterin um 8 Uhr Kaffee, Brötchen, Butter und Marmelade auf einem Tablett serviert. Die Kinder bekommen Trinkpäckchen mit Kakao. Wir haben bereits Florenz passiert und genießen den Ausblick auf die meist freie Landschaft.

Um ca. 11 Uhr kommen wir mit etwas über einer Stunde Verspätung in Rom an und erhalten von Trenitalia zwei Tüten mit Getränken und Snacks als Trost. Wir erfahren von den italienischen Fahrgästen, dass bei diesem Zug Verspätungen bis zu einer Stunde durchaus vorkommen.

Am Bahnhof Roma Termini müssen wir feststellen, dass anders als in Deutschland die Züge nicht gemäß Fahrplan auf einem bestimmten Gleis ankommen. Die Reisenden schauen immer wieder auf die Anzeigen, auf denen ab einem bestimmten Zeitpunkt die Bahnsteignummer angezeigt wird. Die Buchung der Regionalzüge von Trenitalia empfehle ich vom Smartphone über die Webseite Trainline, da viele Bahnhöfe keinen Ticketautomaten haben. Die Tickets sind günstig und können z. B. per Paypal bezahlt und auf dem Smartphone gespeichert werden.

Nach einer einstündigen Fahrt im modernen Regionalzug kommen wir bei sonnigem Wetter in Anzio an und freuen uns auf unsere Unterkunft in einem Mobilheim eines großen Campingplatzes.
Für die Mobilität vor Ort empfehle ich Informationen über Busse auf der Webseite von Cotral oder die entsprechende App.

ausgeschlafen am Urlaubsort angekommen

Auf der Rückreise helfen uns die Erfahrungen der Hinfahrt und wir fühlen uns schon fast wie erfahrene Nachtzugreisende. Das wollen wir unbedingt wiederholen!

Bei Fragen und Anregungen antworte ich gern per Mail. Johann[Punkt]Martins[at]gmail[Punkt]com

Übersicht der Ticketkosten:

  • ÖBB Nachtzug München Ost – Roma Termini
    (Hin- und Rückfahrt) 236 € 2 Erwachsene (Kinder incl.), 4er Kabine im Liegewagen incl. Frühstück auf der Webseite ÖBB-Tickets, ÖBB-Reiseziele, noch mehr Ziele von ÖBB Partnern
  • Super Sparpreis Lippstadt – München (Hin- und Rückfahrt): 89,60 €
    2 Erwachsene ohne Sitzplatzreservierung, 2. Klasse mit Bahncard 50
  • Trenitalia Roma Termini – Anzio (Hin- und Rückfahrt): 18 €

Insgesamt: 343,60 €

Für internationale Zugreisen kann ich die Webseite rail.cc mit vielen Informationen sehr empfehlen.

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